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Panikattacken und Panikstörung

Kommt es ohne äußerliche Ursache zu einer körperlichen und psychischen Alarmreaktion, spricht man von einer Panikattacke. Häufig treten Panikattacken in Situationen auf, in denen die Betroffenen keine Kontrolle über die Situation haben, z.B. im Kino, im Stau, beim Warten in der Einkaufsschlange vor der Kasse oder bei Veranstaltungen. Die plötzlich auftretenden Angstanfälle dauern in der Regel nicht länger als 30 Minuten. Die Betroffenen verspüren eine Reihe von körperlichen Symptomen, sie fühlen sich krank, bewerten die Symptome als lebensgefährlich und suchen häufiger die Notaufnahme auf. Mit jeder Panikattacke verstärkt sich die Befürchtung, erneut einen Angstanfall zu erleiden, es entwickelt sich die Angst vor der Angst. Treten die Panikattacken wiederholt auf, spricht man von einer Panikstörung.

Man kann drei Arten von Panikattacken unterscheiden:

  • unerwartete (nicht ausgelöste) Panikattacke: Es gibt keinen situativen Auslöser, die Attacke kommt wie aus heiterem Himmel. Diese Anfälle sind zur Diagnose einer Panikstörung erforderlich.
  • situationsgebundene (ausgelöste) Panikattacke: Das Auftreten der Panikattacke wird durch eine Situation, einen Reiz oder auch nur durch die Vorstellung des Reizes und/oder der Situation (Tiere, Menschen, bestimmte Gebäude oder Verkehrsmittel, besondere Situationen…) ausgelöst.
  • situationsbegünstigte Panikattacke: Das Auftreten wird durch phobische Objekte oder Situationen zwar begünstigt, aber nicht sofort nach der Konfrontation ausgelöst.

Panikattackensymptome zeigen sich im körperlichen, gefühlsmäßigen, gedanklichen und im Verhaltensbereich:

Körper

  • Blutdruckanstieg
  • schnellere Atmung
  • Anspannung der Muskeln
  • Schwitzen oder Frieren
  • weiche Knie und/oder Kribbeln in den Beinen
  • Übelkeit, Schwindel
  • Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, Mundtrockenheit, Erstickungsgefühle
  • Durchfall und Harndrang

Gefühle

  • Benommenheit, Gefühl in Ohnmacht zu fallen
  • Unsicherheit
  • Unwirklichkeitsgefühl, Gefühl nicht richtig da zu sein
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren
  • Angst zu sterben
  • Angst, verrückt zu werden

Gedanken

Betroffene können sich nicht mehr konzentrieren. Sie sind ständig mit ihrer Angst beschäftigt und grübeln darüber nach,

  • dass sie sterben könnten
  • dass sie die Kontrolle über sich verlieren könnten
  • dass sie ohnmächtig werden könnten
  • dass sie eine schwere Erkrankung haben könnten

Verhalten

Menschen, die unter Panikattacken leiden,

  • meiden bestimmte Situationen
  • gehen häufig nur in Begleitung aus dem Haus
  • verlassen Situationen fluchtartig, in denen sie befürchten, einen Panikanfall zu bekommen
  • trinken sich im Extremfall Mut an oder nehmen Beruhigungsmittel

Hinter Panikattacken können sich unterschiedliche Ursachen verbergen. Die erste Panikattacke tritt meistens in der Zeit einer erhöhten Stressbelastung auf. Auslöser kann eine sonst völlig normale Situation sein, die auf einmal zu einer besonders dramatisch ablaufenden Alarmreaktion auf Stress wird. Im Laufe der Zeit verselbständigt sich dieses Angsterleben aufgrund von kognitiven Prozessen als permanente Angst vor einem Panikanfall (Erwartungsangst). Die allgemeine Anspannung wird dadurch erhöht. Die Angst verstärkt sich auch noch dadurch, weil man sich die Symptome nicht erklären kann.

Panikpatienten haben nicht mehr Stress als die Normalbevölkerung zu bewältigen, sie bewerten Situationen und Belastungen jedoch viel negativer als gesunde Menschen. Sie haben ein höheres Sicherheitsbedürfnis und können mit einer möglichen Bedrohung oder Unsicherheit nicht gut umgehen. Sehr belastend ist dabei der Stress, den der Betroffene gerne selbst kontrollieren möchte, aber trotz noch so viel Aufwand nicht kontrollieren kann. Es entwickelt sich bei ihm eine erlernte Hilflosigkeit, die zu Resignation, depressiver Erschöpfung und vermehrten Erwartungsängsten führen kann.

Auslöser für eine erste (und später auch folgende) Panikattacke sind beispielsweise:

  • Tod eines Familienangehörigen, nahen Freundes oder Bekannten
  • andere Verlustereignisse: Trennung vom Partner, Auszug der Kinder, Umzug
  • Krankheitsängste: Krankheiten in der Familie, Verwandtschaft oder Bekanntschaft (Herzinfarkt, Asthma, Krebs), eigene Erkrankung, bevorstehende Operation
  • massive familiäre Belastungen
  • unverarbeitete Lebensereignisse: Gewalt, Missbrauch, Unfall, Scheidung der Eltern
  • heftige Emotionen: Erregtheit, Ärger, Streit, Unterdrückung von Aggressionen.
  • massive Zukunftsängste
  • berufliche/wirtschaftliche Sorgen: drückende finanzielle Sorgen, Arbeitsplatzverlust oder -wechsel
  • stellvertretende Erfahrungen: Lesen von Artikeln, die medizinische Symptome, Krankheiten oder Katastrophen beschreiben, Miterleben von Schicksalsschlägen oder Symptomen bei anderen
  • ungesunde, stressreiche Lebensführung
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • übermäßiger Konsum oder Entzug von Alkohol, Drogen, Koffein und Nikotin
  • Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Ist für den Betroffenen die Panikstörung nicht zu bewältigen, finden sich im weiteren Verlauf der Erkrankung folgende Gegebenheiten:

  • chronische Erwartungsängste (Angst vor der Angst): Die Angst vor den Paniksymptomen führt zu Erwartungsängsten vor einem neuerlichen Anfall.
  • ständige Inanspruchnahme ärztlicher, fachärztlicher und stationärer Untersuchungen: Die Betroffenen wirken durch die Symptomatik bzw. durch ihr ängstliches Verhalten auf Ärzte derart bedrängend, dass ständig aufwändigere und kostspieligere Untersuchungen sowie unnötige Krankenhausaufenthalte erfolgen, die nur kurzfristig beruhigend wirken.
  • lange Krankenstandszeiten: Im Extremfall kann eine Berufsunfähigkeit eintreten.
  • depressive Erschöpfung und Resignation
  • Missbrauch von Alkohol oder Beruhigungsmitteln, um die Erwartungsängste besser ertragen zu können.
  • Angst vor dem Alleinsein
  • Einschränkung der Bewegungsfreiheit
  • Abhängigkeit von einer Vielfalt von Helfern
  • Übermäßige Schonhaltung aus Angst, die Symptome nicht zu provozieren, und ständige hypochondrische Selbstbeobachtung in der Hoffnung, die gefürchteten Symptome irgendwie verhindern zu können. Dieses Verhalten kann jedoch genau das Gegenteil auslösen und die Symptome wieder hervorrufen.

Therapie der Panikattacke

Angsterkrankungen lassen sich sehr gut mit Hilfe einer Konfrontationstherapie behandeln. Diese Therapie ist ein Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Behandlung von Angstzuständen setzt an zwei Bereichen an:

  • an den auslösenden Bedingungen für die erste Panikattacke: Ziel ist das Erlernen von Stressbewältigungsstrategien, Steigerung der Selbstsicherheit und Abbau perfektionistischer Forderungen
  • am Umgang mit den Panikattacken: Ziel ist hier, zu erkennen, wie negative Katastrophengedanken und körperlichen Reaktionen zusammenhängen. Der Betroffene lernt, dass seine körperlichen Reaktionen und seine Angst von ihm selbst durch seine Angstauslösenden Gedanken und Phantasien erzeugt werden. Er lernt, dass Angst durch Meidung und Flucht verstärkt wird. Er lernt ebenso, dass sich Angst abschwächt, wenn man sich ihr bewusst aussetzt. Beide Lernschritte sollen dazu führen, das Vertrauen zum eigenen Körper wiederzugewinnen.

Während der Konfrontationstherapie wird der Betroffene gezielt mit seiner Angst konfrontiert. Er muss sich in die Angstauslösende Situation begeben und darf sie nicht vermeiden oder daraus flüchten. Die Angst wird dadurch intensiv gespürt. Der Betroffene verspürt aber auch, dass er die Angst aushalten kann.

Zusätzlich kann der Betroffene mit Hilfe der Progressiven Muskelentspannung (Entspannungsverfahren) erlernen, wie er mit körperlichen Angst- und Stressreaktionen umgehen und so das Vertrauen in seinen Körper stärken kann.


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